Julieta HANONO
intime
experimenteller Videofilm | dv | Farbe | 2'11'' | Frankreich | 2008
© Crédit © photo / Hanono

« Intime » erzählt die Überquerung Frankreichs vom Norden zum Süden, vom Sommer zum Winter, von der Nacht zum Morgengrauen. Die Sequenzen reihen sich aneinander mit einer Kamera, die die Wirklichkeit überfliegt beinahe ohne sie zu berühren, wie eingetaucht in einen Traum: die Lichter und der Gesang der Nacht, der kalte Nebel des Morgengrauens, der Gesang der Tiere, wie ein Schrei, der den Raum zerreißt, um in der Trostlosigkeit des Schnees zu enden. „Intime“ stellt auch die Idee der Isolation des Menschen dar, der sich in der Lebensreise bis zum Tod entfaltet. Der Film wurde in der ersten Person geschrieben. Er versteht sich als Hommage an den Vater der Künstlerin, an sein Ableben und daran, dass man das Leben des Anderen nur als einen geschlossenen Kreis erfassen kann, wenn dieser nicht mehr da ist.

Sich in Frankreich niederzulassen bedeutete für Julieta Hanono zunächst, eine Distanz zur eigenen Muttersprache zu schaffen. Dann das Exil ihrer Urgroßeltern aus Aleppo, Alexandria, Spanien und Argentinien aufleben zu lassen. Julieta Hanono will deren Wege nachzeichnen, sie durchquert Buenos Aires und gelangt danach nach Frankreich. Beim Ankommen in Paris macht sie Kunstwerke aus Türen und Brettern, aus weggeworfenen Dingen, die sie einsammelt. Sie versteht später den Bezug zu ihrer eigenen Geschichte: am 11 November 1977 wurde sie, als Sechzehnjährige, während der Militärdiktatur in Argentinien als „desaparecida“ (verschwunden) erklärt. In Paris tauchen Umrisse einer vergrabenen Erzählung auf, jener ihrer eigenen Geschichte, die sie in Argentinien nicht sehen konnte. Ihre Horizontlinie verdichtete sich und ihr Weg führte sie dazu, eine neue Serie von Arbeiten zu erstellen: die „Bijoux“, photographische Werke, die ausgehend von medizinischen Instrumenten und Digitalbildern angefertigt wurden.